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Demenzerkrankungen: Wann ist Vergesslichkeit bedenklich? Was hilft gegen Gedächtnisstörungen?

Demenzerkrankungen stellen in Deutschland und anderen Ländern, in denen eine vergleichbar hohe Lebenserwartung erreicht wird, eine große gesellschaftliche und medizinische Herausforderung dar. Dr. med. Armin Heils, Leitender Oberarzt der Geriatrischen Inneren Medizin und Rheumatologie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda erläutert Möglichkeiten, Demenzerkrankungen zu diagnostizieren und zu erkennen.

Derzeit leiden voraussichtlich knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland unter Demenz, Schätzungen zufolge könnte 2050 die Krankheit bereits drei Millionen Menschen betreffen. Ungeachtet der enormen Bedeutung für unser Gesundheits- und Sozialsystem haben sich in den letzten Jahren, trotz zum Teil großer Hoffnungen in die wissenschaftliche und pharmakologische Forschung, keine durchgreifenden Fortschritte in der Behandlung zum Beispiel mit Medikamenten ergeben.

Dies liegt unter anderem daran, dass die knapp 50 Millionen an einer Demenz erkrankten Menschen weltweit keine homogene Gruppe einer einzigen Erkrankung darstellen, sondern, dass es sehr viele verschiedene Ursachen für eine Demenz gibt.

Die diagnostischen Kriterien einer Demenz beinhalten vielfältige Kombinationen von Defiziten in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung von sozialen sowie beruflichen Funktionen führen. „Das durchgehende Leitsymptom ist bei allen Formen jedoch das gleiche, nämlich die Gedächtnisstörung", erklärt Neurologe Dr. med. Armin Heils.

„Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit im Vordergrund. Im weiteren Verlauf verschwindet ebenso das Langzeitgedächtnis, sodass die Betroffenen immer mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten, Fertigkeiten, aber auch ein Stück ihrer eigenen Identität und Lebensgeschichte verlieren."


Krankheits- und Risikofaktoren von Demenz

Hauptrisikofaktor für eine Demenz ist das zunehmend hohe Lebensalter – dabei sind verglichen mit Männern, Frauen häufiger betroffen, was der höheren Lebenserwartung von Frauen geschuldet ist. Zusätzliche Risikofaktoren sind darüber hinaus Herzkreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Nierenfunktionsstörungen, Übergewicht und Diabetes mellitus. Diese Faktoren sind ausschlaggebend für eine sogenannte vaskuläre Demenz. Demgegenüber steht die häufigste aller Demenzformen: die Alzheimer Demenz, welche im höheren Lebensalter auftritt, gewöhnlich nach dem 65. Lebensjahr (seniler Typ) und seltener im jungen Lebensalter (präseniler Typ), wenngleich die Verläufe der Erkrankung ähnlich sind.

Die Häufigkeit der Alzheimer Krankheit bedingt, dass innerhalb von Familien aus rein stochastischen Gründen die Erkrankung bei mehreren Mitgliedern auftreten kann. Allerdings sollte daraus nicht gefolgert werden, dass es sich um eine Erbkrankheit handelt. Tatsächlich ist nur etwa 1 % der Fälle ausschließlich auf eine erbliche Verursachung zurückzuführen. Für 99 % aller Fälle der Alzheimer Krankheit gilt jedoch, dass das Alter den größten Risikofaktor darstellt.


Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig

Die derzeitigen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten können den Verlauf einer Demenz nur sehr begrenzt positiv beeinflussen. Durch die Anwendung sogenannter Acetylcholinesterase-Inhibitoren, die als Tabletten oder Pflaster zur Verfügung stehen, wird der Verlauf der Erkrankung zeitlich verschoben, aber nicht grundsätzlich aufgehalten.

Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen die wirksamsten Einflussfaktoren: körperliche und ausreichend soziale sowie mentale Aktivität, ein gesunder Lebensstil und Ernährung, die Einschränkung schädlicher Konsumgewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol trinken. Wer gelegentlich ein Glas Rotwein genießt, der schützt sich wohl eher durch eine positive Lebenseinstellung, sicher aber nicht durch im Wein enthaltene positiv wirkende Stoffe. Die Wirksamkeit der zuvor aufgezählten Maßnahmen ist in mehreren wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt in der Prävention von Demenzerkrankungen.

„Aus neuropathologischen Untersuchungen ist bekannt, dass die ersten krankheitstypischen Veränderungen im Gehirngewebe bereits im jungen Erwachsenenalter auftreten und mit steigendem Lebensalter zunehmen", erklärt Dr. Heils. „Dies geschieht bis zum Überschreiten einer gewissen (Alters-)Schwelle und die ersten Krankheitssymptome in Form von Gedächtnisstörungen werden dann erkennbar." Zur Demenz kommt es erst, wenn ein großer Teil der Gehirnzellen zerstört ist. Ein möglicher Therapieansatz könnte daher in einem frühzeitigen Erkennen von Gehirnveränderungen liegen. Die frühe Identifikation von Risikoprofilen macht dann Sinn, wenn therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die diese Veränderungen aufhalten und somit die Erkrankungsmanifestation verhindern können.

Wenngleich die Demenzerkrankungen eine Facette des menschlichen Alterns und unserer Gesellschaft darstellen, so sollte natürlich nicht übersehen werden, dass Betroffene gerade zu Beginn der Erkrankung einem enormen Leidensdruck unterliegen. Sie sind sowohl auf enge soziale Bindungen, qualifizierte Pflege, verständnisvolle und aufzuklärende Angehörige als auch auf eine kompetente ärztliche und insbesondere fachärztliche Betreuung angewiesen.


Leben mit Demenz in Corona-Zeiten

Auch wenn sich herausstellt, dass sich ältere Menschen sehr viel besser mit den aktuellen „neuen Realitäten" der Corona-Pandemie arrangieren als man zu erahnen glaubt, so gilt dies jedoch nicht für den älteren Menschen mit einer Demenzerkrankung. „Gerade ältere Menschen benötigen soziale Kontakte und das spezielle Mehr an Zuwendung", bekräftigt Dr. Heils.

 

dr.heils
Dr. med. Armin Heils
Leitender Oberarzt der Abteilung für Geriatrische Innere Medizin und Rheumatologie
am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda


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