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Kolumne der Fuldaer Zeitung: Aus ärztlicher Sicht mit Prof. Dr. med. Bernd Kronenberger - Mutation per se nicht negativ

Eine neue Coronavirus-Variante ist nun erstmals auch in Deutschland nachgewiesen worden. Bei dem mutierten Virus handelt es sich um eine neue Linie des SARS-CoV-2 Virus, der Coronavirus-Variante B.1.1.7, welche sich seit September 2020 stark ausbreitet. Charakteristisch sind mehrere Mutationen, die vor allem das für Infektion und Immunreaktion bedeutsame Spike-Protein betreffen. Zur Funktionalität gibt es bislang nur experimentelle Daten. Klinische Nachweise, ob die Symptomatik variiert oder der Krankheitsverlauf schwerer wird, gibt es noch nicht. Daher kann aktuell nicht abgeschätzt werden, ob die Corona-Variante in der Praxis wirklich gefährlicher ist.

Das Auftreten von Mutationen gehört zur Natur von Viren und ist per se nicht negativ. Bei hoher Ansteckungsrate und hohem Selektionsdruck können sich neue Linien mit veränderten Eigenschaften ausbilden. Die Virusvarianten müssen aber nicht zwangsläufig gefährlicher sein, da für die Ausbreitung vor allem die Infektiosität, nicht aber die krankmachende Potenz von Vorteil ist.

Nach Aussagen des Biontech-CEO Ugur Sahin sind bei der Virusvariante B.1.1.7 nicht die Regionen betroffen, gegen die der Impfstoff gerichtet ist. Denn der Impfstoff wurde an weiteren Virusvarianten mit anderen Mutationen getestet, wobei die durch den Impfstoff hervorgerufene Immunantwort, stets alle Virusformen inaktivierte. Damit ist die Wirksamkeit des zugelassenen Impfstoffes wahrscheinlich nicht beeinträchtigt. Wichtig ist jetzt, dass möglichst viele Menschen rasch geimpft werden und, dass die AHA+L-Regeln weiter eingehalten werden, damit sich nicht neue, gegen den Impfstoff resistente Viruslinien etablieren können. Momentan lässt sich nicht abschätzen, ob neue Impfstoffe gebraucht werden. Positiv ist, dass es bereits weitere aussichtsreiche Impfstoffkandidaten gibt, die kurz vor der Zulassung stehen. Die Impfung ist ein erster wichtiger Schritt im Kampf gegen COVID-19. Im Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda unterstützen wir die Impfung daher massiv, um eine rasche Impfung u.a. des Personals zu ermöglichen.

Mutationen machen es dem Immunsystem schwerer, Viren und infizierte Zellen zu erkennen. Generell lässt sich aber nicht sagen, dass Mutationen Einfluss auf die Immunität haben, da nicht alle Abschnitte des Virusgenoms eine Immunantwort erregen und es auch sein kann, dass Mutationen die Fähigkeit des Virus sich zu vermehren, abschwächen.

 

Kommentar von Prof. Dr. med. Bernd Kronenberger, Chefarzt der Inneren Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Kardiologie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, für die Fuldaer Zeitung am 30.12.2020.

 

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