Mit Sekt ins neue Jahr feiern, im Dry January Verzicht üben, zu Fastnacht auf den Putz hauen und in der Fastenzeit auf Alkohol verzichten – die ersten Monate des Jahres sind von Extremen geprägt. „Für den Körper ist das erstmal kein Problem, im Gegenteil: Der Alkoholverzicht ist gut, der Körper kann regenerieren“, erklärt Prof. Dr. med. Bernd Kronenberger, Chefarzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Kardiologie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda.
„Jeder Verzicht ist erst einmal gut, vor allem mit Blick auf die Lebergesundheit“, weiß der Spezialist, „Alkohol ist ein Zellgift und richtet ab dem ersten Tropfen Schaden an. Wir müssen mit dem Französischen Paradox aufräumen, das gibt es nicht.“ Lange Zeit hieß es, dass eine kleine Menge Alkohol, insbesondere beispielsweise Rotwein, der Gesundheit zuträglich sei mit Blick auf das Herz-Kreislaufsystem. Die niedrigere Inzidenz in der Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkte in Frankreich ist jedoch ein Mythos, die niedrigere Mortalität hat nichts mit dem Rotweinkonsum zu tun. Es gibt keine „gesunde Menge“ Alkohol, erklärt Prof. Dr. Kronenberger.

Kardiovaskuläre Erkrankungen und Fettstoffwechsel
Während gesunde Menschen mit moderatem, gelegentlichem Alkoholkonsum vermutlich keine irreparablen Schäden in ihrem Körper anrichten, sieht das bei Menschen mit Krankheitsgeschichte anders aus. Und das hat mehrere Gründe:
– alkoholische Getränke sind kalorienreich, enthalten viel Zucker und belasten die Leber
– kardiovaskuläre Erkrankungen und Lebererkrankungen bedingen sich gegenseitig
– Medikamente belasten die Leber
Es geht also alles über die Leber, die immer in Mitleidenschaft gezogen wird. Menschen mit Vorerkrankungen sollten deshalb bestenfalls ganz auf Alkohol verzichten. Vor allem junge Diabetiker sieht Prof. Dr. Kronenberger als besonders gefährdet an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kommt in ihrem Positionspapier zu Alkohol zu dem Schluss, dass es „eine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Konsum von Alkohol“ nicht gibt (vgl. https://www.dge.de/presse/meldungen/2026/alkoholkonsum-in-deutschland/). Als risikoarmen Konsum werden ein bis zwei kleine Gläser Wein oder ein bis zwei kleine Flaschen Bier pro Woche angesehen. In Alkohol ausgedrückt bedeutet das: Alles, was unter 27 Gramm reinem Alkohol pro Woche liegt, ist für gesunde erwachsene, nicht stillende Menschen mit einem eher niedrigen Risiko versehen. Gegen ein gelegentliches geselliges Glas als „sozialer Kit“ ist nach Prof. Dr. Kronenberger erst einmal nichts einzuwenden.

Obwohl Alkoholkonsum in kleinen Mengen für Gesunde also ein überschaubares Risiko birgt, will der Chefarzt klarstellen: „Alkohol ist völlig ungeeignet, um psychische Probleme oder Schlafstörungen zu behandeln!“ Viele Menschen machen zwar die Erfahrung, dass Alkohol müde macht – aber die Schlafqualität ist unter Alkoholeinfluss sehr schlecht, und andere psychische Probleme verstärken sich durch Alkoholkonsum eher – dies ist wissenschaftlich weitreichend belegt.
Alkoholinduzierte Fettleber ist reversibel
Es ist gar keine schlechte Idee, nach hohem Alkoholkonsum eine Phase der bewussten Abstinenz einzulegen. Dem Körper tut der Verzicht gut, er kann sich regenerieren. Insbesondere Schäden an der Leber können sich zurückbilden. Allerdings sind nicht alle durch Alkohol verursachten Schäden reversibel, Herzprobleme beispielsweise bleiben grundsätzlich bestehen.
Alkoholismus, also Alkoholsucht, kann verschiedene Formen haben, weiß Prof. Dr. Kronenberger (vgl. https://dassuchtportal.de/alkoholsucht/alkoholiker-typen/): „Es gibt fünf verschiedene Arten von Alkoholiker nach Jellinek. Die Intervalltrinker gehören dazu, Alkoholsucht muss nicht mit regelmäßigem Konsum einhergehen.“
Alkohol hat ein hohes Suchtpotenzial, und zwar psychisch wie physisch. Der Entzug wirkt sich bei den meisten Menschen nur psychisch aus, für den Körper ist das eine Wohltat.

Das Weglassen von Alkohol ist ein Aufbaupräparat für Menschen mit gesundheitlichen Problemen“, erklärt Prof. Dr. Kronenberger, „Mit dem Verzicht steigt die Lebensqualität.“ Wie lange Entzugserscheinungen wie Müdigkeit, Schlappheit, mangelnde Energie und das typische Verlangen anhalten, ist individuell verschieden. Aber bei guter Selbstbeobachtung während des Fastens kann eigentlich jeder schon nach vier Wochen deutliche Verbesserungen bemerken, denn so lange braucht es, bis die Abhängigkeit weg ist. Wer also die aktuelle Fastenzeit nutzt, um auf Alkohol zu verzichten, hat während der 40 Tage genug Zeit, sich selbst zu beobachten und Veränderungen festzustellen.
Weitere Informationen unter https://herz-jesu-krankenhaus.de/fachabteilungen/innere-medizin/
Für mehr Informationen ein wissenschaftlicher Beitrag.
Den vollständigen Beitrag unter Osthessen News:
Redaktion: Melanie Weber – OsthessenNews
Titelfoto: Medienkontor M. Angelstein GmbH & Co. KG
(Stand: 20.03.2026)