Innere Medizin – Drüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen

Grundlagen

  • 15% aller Menschen in Deutschland haben einen krankhaften Befund an der Schilddrüse
  • Ursache ist in den meisten Fällen: Jodmangel
  • Häufigste Erkrankung: Knotenstruma (knotige Vergrößerung der Schilddrüse) ohne Störung der Schilddrüsenfunktion

Seltene Erkrankungen:

  • Morbus Basedow (Überfunktion der Schilddrüse, z.T. mit Hervortreten der Augäpfel)
  • Knotenstruma mit Überfunktion (autonomes Adenom)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Bösartige Schilddrüsenerkrankungen

Symptome der Schilddrüse können zu folgenden Beschwerden

Vergrößerungen der Schilddrüse können zu folgenden Beschwerden führen:

  • Schluckstörungen
  • Kloßgefühl im Hals
  • Kosmetische Beschwerden (Asymmetrie des Halses)
  • Luftnot

Eine Überfunktion der Schilddrüse kann zu folgenden Beschwerden führen:

  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Gewichtsverlust
  • Haarausfall
  • Nervosität
  • Augenbeschwerden (beim Morbus Basedow)

Diagnostik

  • Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

Mit diesen Untersuchungen ist ein Großteil der Schilddrüsenerkrankungen abklärbar.
Eventuell müssen jedoch noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Szintigraphie (z.B. bei Überfunktion)
  • Feinnadelpunktion (bei Verdacht auf Bösartigkeit)

Knotenstruma (vergrößerte Schilddrüse mit Knoten) ohne Überfunktion

  • keine der oben genannten Beschwerden, kein Verdacht auf Bösartigkeit
    > einmal pro Jahr Ultraschall und Laborkontrolle
  • Subjektive Beschwerden, sehr große Schilddrüse, Verdacht auf Bösartigkeit
    > Operation

Knotenstruma (knotige Vergrößerung der Schilddrüse) mit Überfunktion

  • nur ein Knoten / kleine Schilddrüse
    >Therapie mit radioaktiv markiertem Jod oder Operation
  • viele Knoten / große Schilddrüse
    > Operation

Morbus Basedow (Überfunktion der Schilddrüse)

  • zunächst über 12 Monate Therapie mit Medikamenten.
    Wenn nach Absetzen der Medikamente erneut eine Überfunktion auftritt:
    > bei kleiner Schilddrüse Therapie mit radioaktiv markiertem Jod oder Operation
    > bei großer Schilddrüse Operation

Nicht alle Patienten mit Veränderungen an der Schilddrüse müssen operiert werden!
Da die Entscheidung für oder gegen eine Operation sehr individuell ist, wird eine persönliche Vorstellung angeboten nach Terminvereinbarung unter Telefon (06 61) 15 – 2321.

Die Operationsziele und die entsprechenden Operationsverfahren unterscheiden sich bei den unterschiedlichen Schilddrüsenerkrankungen:

  • Knotenstruma: Entfernung aller Knoten. Operation: von sparsamer Entfernung einer Seite bis zur vollständigen Entfernung der Schilddrüse
  • Morbus Basedow: Operation mit Verringerung des Schilddrüsengewebes auf weniger als 2 g.
  • Bösartige Erkrankung der Schilddrüse: vollständige Entfernung der gesamten Schilddrüse und der umgebenden Lymphknoten

Bei allen Schilddrüsenoperationen muss darauf geachtet werden, dass die Stimmbandnerven und die Nebenschilddrüsen, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Schilddrüse liegen, nicht geschädigt werden! Dies gelingt am Sichersten durch:

  • Operation mit Lupenbrille (2-3 fache Vergrößerung)
  • Sichtschonung der genannten Strukturen
  • Durchführung durch erfahrenen Schilddrüsenchirurgen

In der Regel 3 – 5 Tage.

Der menschliche Organismus kann ohne eine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormon nicht leben. Bei vielen Schilddrüsenoperationen muss soviel Gewebe entfernt werden, dass Schilddrüsenhormon nach der Operation ersetzt werden muss.

Nach Operation der Schilddrüse wegen gutartiger Erkrankung

  • Einnahme von Schilddrüsenhormon in ausreichender Menge
  • Kontrolle der Schilddrüsenhormone (Blutentnahme) 6 Wochen nach der Operation
  • Im weiteren Verlauf einmal pro Jahr Blutentnahme und Ultraschall der Halsregion

Nach Operation der Schilddrüse wegen bösartiger Erkrankung

  • Zusätzliche Behandlung durch radioaktives Jod (4 – 6 Wochen nach der Operation)
  • Kontrolle von sog. Tumormarkern (Blutentnahme)
  • Einnahme von Schilddrüsenhormon in ausreichender Menge
  • Kontrolle der Schilddrüsenhormone (Blutentnahme) 6 Wochen nach der Operation
  • Im weiteren Verlauf regelmäßig Blutentnahme und Ultraschall der Halsregion

Mögliche Einschränkung nach Operationen

Die schwerwiegendste Komplikation nach Schilddrüsenoperation ist die Lähmung des Stimmbandnerven. Dabei kann es zu einer Veränderung der Stimmqualität (tiefer, leiser) und zu erheblichen Problemen beim Sprechen kommen.

Zu dieser Komplikation kommt es

  • in etwa 5% vorübergehend (von 20 Patienten)
  • in etwa 0.5% dauerhaft (1 von 200 Patienten)

Bei dauerhaften Lähmungen des Stimmbandnerven kann die Stimmqualität durch Sprachtraining (Logopädie) verbessert werden.

 

Eine weitere mögliche Komplikation ist eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Unbehandelt führt dies zu Gefühlsstörungen im Gesicht, Armen und Beinen und gegebenefalls zu Muskelkrämpfen.

Zu dieser Komplikation kommt es

  •  in etwa 7 % vorübergehend (1 von 15 Patienten )
  • in etwa 0.5 % dauerhaft (1 von 200 Patienten)

Die Unterfunktion kann durch Gabe von Calcium-Brausetabletten und Gabe von Vitamin-D Präparaten gut behandelt werden.

Prof. Dr. med. Bernd Kronenberger

Chefarzt
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Diabetologie,
medikamentöse Tumortherapie

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