Fuldaer Zeitung: Operieren fast ohne Technik

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Achtköpfiges Team aus Fulda operiert ehrenamtlich auf den Philippinen

Menschen helfen, die sonst nur wenig Hilfe bekommen: Genau das macht im Frühjahr 2027 ein achtköpfiges Team aus dem Klinikum und Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda. In einem Krankenhaus auf den Philippinen operiert und hilft es den Einheimischen – komplett ehrenamtlich.

Den ersten Einsatz gab es in dem Land Südostasiens im Jahr 2015. Seitdem findet es nahezu jährlich statt, wobei es vor allem nach der Corona-Pandemie wiederbelebt wurde. Durchgeführt wird das vom Verein Surgical Mission Saarland, der inzwischen knapp 40 Mitglieder hat. Zu ihnen zählen auch Fuldaer. Einer, der schon mehrmals auf den Philippinen war, ist Dr. Andreas Grimme, Oberarzt im Herz-Jesu-Krankenhaus.

„Ich war jetzt schon sechsmal vor Ort und muss sagen, dass mir das jedes Mal ein gutes Gefühl gab“, berichtet er. Grund dafür ist die enorme Dankbarkeit, die einem entgegenschwappt. In der Regel behandelt das Team „normale Bauern, die nicht krankenversichert“ sind, ergo können sie sich Untersuchungen sonst nicht leisten. Es geht immer in andere Regionen, um den Menschen zu helfen, aber auch das medizinische Personal vor Ort zu schulen. „Wir möchten dort nachhaltig etwas verändern und den Menschen vor Ort helfen“, betont Grimme. Im kommenden Jahr wird er nicht der einzige aus Fulda sein, der sich auf die Reise macht. Er wird unterstützt von Dr. Frank Vasters, Dr. Doreen Shaw, Björn Goldbach (alle Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda) sowie Celina Winter, Rabea Dangel, Roman und Jessica Schön (jeweils Klinikum Fulda). Alle haben auf unterschiedliche Weise vom Verein erfahren, mal zufällig im OP, mal sprach Grimme sie an. Und alle waren direkt begeistert von der Idee und wollen ihren Beitrag leisten. „Es ist so, dass sich ein Lebenstraum erfüllt. Genau aus dem Grund haben wir diesen Beruf erlernt“, sagt Roman Schön.

Es gehe nicht um Geld und Profit, sondern darum, den Menschen zu helfen. Das sei ein besonderer Ansporn. „Wir müssen demütig für das Leben sein“, meint er. Dem pflichtet Grimme bei, denn auf den Philippinen könne man sich keinen Arzt „aussuchen“. Dort behandelt man mit Kräutern und Voodoo. „Deswegen ergibt es Sinn, dorthin zu fahren.“ Angst haben die Medizinerinnen und Mediziner nicht, aber Respekt vor der Aufgabe, zumal die Bevölkerung besonders ist. „Ich war selbst schon mal zum Urlaub da. Die Menschen sind äußerst nett und herzlich. Deswegen möchte ich dort helfen“, sagt Doreen Shaw. Ein großer Vorteil sei es, dass das Team gut funktioniere. „Wir unterstützen und kennen uns und können uns aufeinander verlassen. Das ist sehr wichtig“, erklärt sie. Zuspruch gibt es auch von den Familien und den Arbeitgebern, die den Einsatz als Kooperation unterstützen.

„Wir nehmen uns Urlaub dafür, haben dafür aber weniger ‚regulären‘ Urlaub“, sagt Grimme. Vier Wochen sind sie vor Ort, die erste Woche sind Vorbereitungen, danach gibt es zwei Wochen lang OPs von bis zu 150 Menschen. Es seien Arbeitstage von zehn bis zwölf Stunden. „Alleine ist das nicht machbar, weil das wirklich anstrengend ist. Teilweise schauen 20 Familienmitglieder bei einer OP zu“, berichtet Grimme. Am Ende wird eine Woche nachbereitet. „Wir sind doppelt und dreifach besetzt, weil die Belastung eine ganz andere ist. Wir müssen flexibel sein und unsere Komfortzone verlassen“, weiß Roman Schön. Auch Personal aus dem Saarland und der Schweiz ist dabei sowie die lokalen Ärzte.

Herausfordernd wird sein, dass es andere Krankheitsbilder gibt und diese ausgeprägter sind. „Wir müssen uns auf die Basics zurückbesinnen, da wir kaum technische Unterstützung haben“, sagt Jessica Schön. Daher stehe die Teamarbeit ganz oben. Problematisch ist nur die Finanzierung. Das Geld kommt durch Spenden zusammen oder wird aus eigener Tasche bezahlt. Damit der Verein in Zukunft weiterarbeiten kann, ist er aber auf Spenden angewiesen. „Wir möchten in Zukunft weiterarbeiten und den Menschen helfen, die es sich nicht leisten
können – auch in anderen Regionen auf der Welt. Aber ohne Hilfe wird das schwierig“, sagt Grimme. Material- und Geldspenden helfen weiter und werden direkt an der Basis eingesetzt.

Alle Infos und Spendenmöglichkeiten gibt es online. https://www.surgical-mission-saarland.org 


Artikel der Fuldaer Zeitung
Redaktion: Leon Weiser
Stand: 07.05.2026 (Fuldaer Zeitung, Seite 10 Lokales)